Die Jugend zwischen Mobiltelefonen und verwaisten Büchern

Die Jugend zwischen Mobiltelefonen und verwaisten Büchern
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Ahmad ibn Abdulmâlik, auch bekannt als Ibn Al-Makwî (324 – 401 n. Chr.), erzählte, dass ihn ein Freund am Tag des Îd besuchte und ihn in seinem Haus mit offener Tür vorfand. Er wartete lange Zeit draußen auf ihn, bis Ibn Al-Makwî herauskam, während er ein Buch las. Mit dem Lesen beschäftigt, bemerkte er nicht einmal die Anwesenheit seines Freundes, bis er über ihn stolperte. Er entschuldigte sich bei seinem Freund und erklärte, dass ihn eine komplexe Frage gefesselt hatte und er mit dem Lesen nicht aufhören konnte, bis Allâh ihm die Gnade gab, sie zu verstehen. Sein Freund fragte erstaunt: „Wie jetzt? Machst du das an einem Festtag, an dem man sich erholen und Ruhe finden sollte?“ Ibn Al-Makwî sagte: „Ein kultivierter Mensch widmet sich ganz dem Wissen. Bei Allâh, ich finde weder Freude noch Entspannung, außer beim Studieren und Lesen.“

Diese Szene spielt sich oft in unserer heutigen Zeit ab, aber unter anderen Voraussetzungen. Man stelle sich Folgendes vor: Ein Sachbearbeiter sitzt an seinem Schreibtisch. Ein Kunde klopft an die Tür, tritt ein, begrüßt ihn und reicht ihm einen Geschäftsbeleg. Doch die Augen des Sachbearbeiters wenden sich nicht von seinem Mobiltelefon ab. Er lebt gedanklich in einer anderen Welt. Er kann weder einen Tag noch eine einzige Stunde ohne sein Handy verbringen. Es ist kaum noch wegzudenken.

Lohnt sich das alles?

Wir sind uns einig, dass es wichtig ist, zu telefonieren und mit anderen zu kommunizieren. Was die letzten drei Generationen von Mobiltelefonen mit ihren Apps, Spielen und Dienstleistungen betrifft, so haben sie keinem Angestellten zu einer Beförderung verholfen, keinem Arbeitslosen eine Lösung geboten und den Saldo unseres Bankkontos nie um einen einzigen Euro erhöht! Vielmehr hat sich das Handy in einen Kraken verwandelt, der in die Häuser eingedrungen ist und alle Familienmitglieder in seinen Fangarmen hält.

Wenn man sich Gedanken macht, weshalb sich junge Frauen und Männer im Besonderen und die gesamte Gesellschaft im Allgemeinen so stark an moderne Geräte wie Handys binden, lässt sich diese ausgeprägte Neigung auf folgende zwei Gründe zurückführen: zu viel Freizeit und Ziellosigkeit.

Wir werden als Dritte Welt bezeichnet. Wir seien rückständig und zurückgeblieben. Hat uns unsere wilde Gier nach dem Erwerb moderner Technologien, die sich in den neuesten Mobiltelefonen, Laptops und Spielen findet, davor bewahrt, als rückständig abgestempelt zu werden?

Im Gegenteil, es ist sogar schlimmer geworden, denn wir importieren alles, aber exportieren gar nichts. Wir sind Verbraucher, keine Denker. Wir schweigen und stellen keine Fragen. Warum fragen wir uns nicht, wie es dazu kam, dass fortschrittliche Gesellschaften diese Technologien entwickeln konnten, die wir die ganze Zeit in unseren Händen halten? Sind wir lediglich Sklaven ihrer Industrie, ihrer Produkte und vielleicht auch ihrer Kultur?

Falls wir uns vor diesen entwickelten Industrien verbeugen, sie aber nicht das Gleiche vor uns tun, dann ist das ein klares Zeichen dafür, dass wir versklavt sind, um ihre Wirtschaft zu fördern. Wie ist es möglich, dass ein kleines Land wie Taiwan auf wirtschaftlicher Ebene alle arabischen Länder in ihrer Gesamtheit übertrifft?

Unglücklicherweise unterliegen wir dem Trugschluss, dass ein hoher Entwicklungsstand allein durch den Besitz des neuesten japanischen Autos oder eines Dual-SIM-Mobiltelefons erreicht werden könnte. Nichts entsteht von selbst.

Wir haben es versäumt, die Geschichte, die Wahrheit und die Realität zu sehen, um das offenkundige Geheimnis hinter dem Fortschritt jener Gesellschaften zu lüften. Ihre produktiven Gewohnheiten haben diese Länder in jeder Hinsicht erstarken lassen, während wir uns versammelt haben, um über den besten Klingelton zu diskutieren! Diese Länder verdanken ihren Fortschritt der hohen Wertschätzung, die sie dem Lesen entgegenbringen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene – sie alle lesen. Die Erwachsenen lesen sogar ihren Kindern vor. Sie hören nicht auf zu lesen. Ein Buch im Studium, ein Buch zu Hause, ein Buch im Bus, ein Buch im Park, ein Buch im Wartebereich ein Buch im Café. Selbst an Orten der Unterhaltung und Erholung haben sie immer genug Platz für ein Buch. Dasselbe Szenario spielt sich in unserer Gesellschaft ab. Allerdings wurde das Buch durch ein Mobiltelefon ersetzt! Ein Handy im Studium, ein Handy zu Hause und ein Handy im Bus. Das Handy ist nicht mehr wegzudenken.

Das Geheimnis ihres Fortschritts ist also das Buch. Hier stellt sich die Frage, ob die Ursache für unsere Rückständigkeit tatsächlich unsere Jagd nach Spitzentechnologie ist, ohne zu ihrer Entwicklung und Herstellung beizutragen. Ja, das lässt sich wohl so sagen. Doch wie können wir einen Beitrag zu Wissenschaft und Technik – oder sogar zur Kultur – leisten, wenn wir vom Westen mit allem versorgt werden und es uns nicht gelingt, aus eigener Kraft zu schöpfen?

Der Westen hat seine Erfolgsquelle in der Wissenschaft und der Leidenschaft für das Lesen gefunden. Die Menschen dort widmen dieser Sache viele Stunden ihrer Freizeit und sogar ihrer Arbeit. Lesen ist für sie zur Gewohnheit geworden, die schon fast wie eine gottesdienstliche Handlung wirkt; eine Pflicht, die auf keinen Fall vernachlässigt werden darf. Der Arbeiter liest, der Arzt liest, die Mutter liest, der Vater liest, der Lehrer liest, der Student liest, der Manager liest und die Angestellten lesen.

Ich sage es mit voller Überzeugung: Der Grund für unsere Rückständigkeit und Unwissenheit ist das Fehlen von Büchern in unserem Leben. Welche Rolle spielt das Buch in unserem Leben? Wo sind Menschen, die lesen? Wo sind Menschen, die Zeile für Zeile studieren? Es überrascht nicht, dass wir niemanden finden, der produziert, entwickelt, schreibt und forscht! Entspringt der Fluss aus einer anderen als seiner Quelle? Geht die Sonne denn im Westen und nicht im Osten auf? Wo gibt es Wissen, wenn nicht in Büchern?

Der amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau sagte: „Wie mancher Mensch datiert eine neue Ära seines Lebens von der Lektüre eines Buches!“

Werden wir also eine neue Ära für unsere Gesellschaft einleiten, in der Bibliotheken weit verbreitet sind und die Handyläden zahlenmäßig übertreffen? Oder ist dies völlig unmöglich, da wir rückständige Menschen sind, die sich Veränderungen und Innovationen verschließen?

Die Antwort überlasse ich dir, lieber Leser. Ich bin mir sicher, dass du deine Geschichte selbst schreiben wirst. Du kannst dich nicht damit zufriedengeben, eine solche Rückständigkeit zu akzeptieren. Verlasse dieses Leben nicht, ohne ein Buch zu lesen, ein Blatt Schreibpapier in der Hand zu halten oder zumindest den Gedanken zu erwägen, etwas von Bedeutung niederzuschreiben.
 

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