Erwünschte Zeiten zur Verrichtung der Pflichtgebete
Fatwâ-Nummer: 15043

  • Fatwâ-Datum:28-12-2016
  • Bewertung:

Frage

Wann sollte man am besten die Pflichtgebete verrichten? Gleich zu Beginn der Zeit, in der Mitte oder am Ende? Gibt es Ausnahmen?

Antwort

Der Lobpreis ist Allâhs, und möge Allâh den Gesandten Allâhs sowie dessen Familie und Gefährten in Ehren halten und ihnen Wohlergehen schenken!

 

Und nun zur Frage:

 

Die Gelehrten erwähnten Differenzen darüber, ob man das Gebet gleich zu Beginn seiner Zeit verrichtet oder ein bisschen verschiebt. Kurz gesagt gilt Folgendes:

 

1-   Das Mittagsgebet: es ist erwünscht, es gleich zu Beginn seiner Zeit zu verrichten, es sei denn, es ist sehr heiß. At-Tirmidhî (möge Allah sich seiner erbarmen) sagte: „Diese Meinung bevorzugten die Gelehrten unter den Gefährten des Gesandten Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) und diejenigen nach ihnen, und zwar wegen des authentischen Hadîthes, den Abû Barza und Dschâbir und Andere vom Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) berichteten.


Âischa  möge Allah mit ihr zufrieden sein sagte: „Ich habe niemanden gesehen, der das Mittagsgebet unverzüglicher verrichtete als der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken), Abû Bakr und Umar.“ At-Tirmidhî sagte: Dieser Hadîth ist hasan.


Das Mittagsgebet wird bei großer Hitze verzögert, da der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: Wenn es sehr heiß wird, sucht eine kühlere Zeit für das (Mittags-)Gebet; denn die starke Hitze ist ein Hauch des Höllenfeuers!“ Überliefert von Mâlik, Al-Buchârî, Muslim, Abû Dawûd, At-Tirmidhî, Ibn Mâdscha und An-Nasâî nach einer Aussage von Abû Huraira.

 

2-   Das Nachmittagsgebet: Bei der Mehrheit der Gelehrten ist es erwünscht, es auf alle Fälle unverzüglich zu verrichten, wegen des Hadîthes von Râfi ibn Chudaidsch: „Wir pflegten das Nachmittagsgebet mit dem Gesandten Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) zu verrichten, dann wurde ein Kamel geschlachtet, in zehn Teile zerlegt und anschließend gekocht. Wir aßen dann gut gekochtes Fleisch, bevor die Sonne unterging.“ Überliefert von Al-Buchârî und Muslim.


Bei Al-Buchârî und Muslim steht ferner: „Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) pflegte das Nachmittagsgebet zu verrichten, als die Sonne noch stark war.“

 

3-   Das Abendgebet: Es herrscht Übereinstimmung darüber, dass es erwünscht ist, das Abendgebet unverzüglich zu verrichten, falls kein Entschuldigungsgrund vorliegt, und zwar wegen des Hadîthes von Râfi ibn Chudaidsch: „Wir pflegten das Abendgebet mit dem Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) zu verrichten, wer danach wegging, konnte noch erkennen, wo seine Pfeile aufschlugen.“ Von Al-Buchârî und Muslim überliefert. Al-Buchârî und Muslim überlieferten weiterhin: „Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) pflegte das Abendgebet zu verrichten, sobald die Sonne untergegangen war.“

 

4-   Das Nachtgebet: Es ist erwünscht, das Nachtgebet bis zum Ende seiner Zeit, also bis das erste Drittel - man sagt auch die Hälfte - der Nacht verstrichen ist, aufzuschieben, falls einem dies nicht schwer fällt. Ibn Qudâma sagte: „Dies ist die ausschlaggebende Meinung der meisten Gelehrten unter den Gefährten des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) und deren Nachfolgegenerationen.“ Muslim überlieferte von Âischa  möge Allah mit ihr zufrieden sein, dass sie sagte: „Eines Nachts wartete der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) bis es völlig finster wurde und der größte Teil der Nacht vergangen war und bis die Leute in der Moschee einnickten, dann ging er hinaus, verrichtete das Gebet und sagte anschließend: »Dies ist wahrhaftig seine Zeit, ich will es aber meiner Umma nicht erschweren.«“ Al-Buchârî und Muslim überlieferten von Dschâbir  möge Allah mit ihm zufrieden sein, dass er sagte: „Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) pflegte das Mittagsgebet in der Mittagshitze zu verrichten und das Nachmittagsgebet, wenn die Sonne grell war, und das Abendgebet gleich wenn die Sonne untergegangen war. Das Nachtgebet mal so und mal so. Wenn er sah, dass sie [die Prophetengefährten] alle anwesend waren, verrichtete er das Gebet früh, und wenn er sah, dass sie sich verspäteten, schob er das Gebet auf. Das Morgengebet pflegten sie - oder pflegte er - zur Zeit der Morgendämmerung zu verrichten.“  

 

5-   Das Morgengebet: Die Mehrheit der Gelehrten ist der Meinung, dass es besser ist, das Morgengebet gleich zur (nautischen) Morgendämmerung zu verrichten, im Gegensatz zu den Hanafiten, und zwar wegen des oben erwähnten Hadithes von Dschâbir. Ibn Abdulbarr (möge Allah sich seiner erbarmen) sagte: „Es wurde vom Gesandten Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken), von Abû Bakr, Umar und Uthmân authentisch überliefert, dass sie das Morgengebet gleich zur Morgendämmerung (noch im Dunkeln) verrichteten.“


In einem authentischen Hadîth wurde von Âischa  möge Allah mit ihr zufrieden sein überliefert, dass sie sagte: „Der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) pflegte das Morgengebet zu verrichten und wenn die Frauen in ihre Wollgewänder gehüllt die Moschee verließen wurden sie wegen der Dunkelheit [arabisch: Ghalas] nicht erkannt.“


Das arabische Wort Ghalas bedeutet ‚Rest der nächtlichen Dunkelheit‘, und sie wurden nicht erkannt bedeutet, dass man nicht unterscheiden konnte, ob sie Männer oder Frauen waren, oder dass man sie wegen der Dunkelheit nicht persönlich erkennen konnte. An-Nawawî sagte: „Dies ist eine schwache Meinung, denn diejenige, die sich gut in ihren Gewändern einhüllt, kann man auch am Tag nicht erkennen, daher ergibt diese Meinung keinen Sinn.“

 

Daraus geht hervor, dass es erwünscht ist, die Gebete zu Beginn ihrer jeweiligen Zeit zu verrichten, außer dem Mittagsgebet bei starker Hitze und dem Nachtgebet, falls es den Betenden nicht schwer fällt, es aufzuschieben.

 

Und Allâh weiß es am besten!

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