Tauba (Reue) wird stets verlangt, egal wie innig und oft man rituelle Handlungen verrichtet
Fatwâ-Nummer: 35312

  • Fatwâ-Datum:30-10-2018
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Frage

In einem Hadîth des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) heißt es: „Jeder glaubende Muslim begeht entweder von Zeit zu Zeit eine Sünde oder ständig eine Sünde, bis er das Diesseits verlässt.“ Wie wir alle wissen, ist das Begehen von Sünden und Missetaten ein Grund für den Eintritt ins Höllenfeuer – Allâh bewahre! Stirbt jemand, während er eine Sünde begeht, verliert er möglicherweise dadurch das Diesseits und das Jenseits und hat somit ein schlechtes Ende – möge Allâh uns davor bewahren! Im ehrwürdigen Qurân gibt es viele Verse, die uns dazu anhalten, unsere Sünden zu bereuen. Wie soll der Mensch seine Sünden bereuen, wenn doch jeder gläubige anbetend Dienende von Zeit zu Zeit Sünden begeht und das Begehen von Sünden ein Grund für den Ruin des Menschen ist? Bitte weisen Sie uns an!

Antwort

Der Lobpreis gebührt Allâh und möge Allâh Seinen Gesandten sowie dessen Familie und Gefährten in Ehren halten und ihnen Wohlergehen schenken!

Die Nachkommen Adams begehen für gewöhnlich Fehltritte und Sünden, außer diejenigen, die Allâh der Allmächtige und Majestätische hinsichtlich der Übermittlung der Offenbarung unfehlbar machte. Bei diesen handelt es sich um die Propheten (Friede sei mit ihnen). Der Prophet Muhammad (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Jeder Nachkomme Adams begeht Fehler und die besten Fehlerbegehenden sind die Reumütigen.“ (At-Tirmidhî). Al-Albânî stufte diesen Hadîth als hasan ein.

Bei dem von dir erwähnten Hadîth handelt es sich um folgenden Bericht von Ibn Abbâs  möge Allah mit ihm zufrieden sein: „Der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: »Jeder glaubende Muslim begeht von Zeit zu Zeit eine Sünde oder ständig eine Sünde, von der er nicht ablässt, bis er das Diesseits verlässt. Der glaubende Muslim wurde wahrhaftig so erschaffen, dass er geprüft wird, bereut, vergisst und, wenn er erinnert wird, sich wieder erinnert.‘“ (At-Tabarâni). Al-Albânî stufte diesen Hadith als authentisch ein.

Somit weißt du nun, dass der anbetend Dienende stets dazu aufgefordert ist, sich Allâh reuevoll zuzuwenden, da er – ganz gleich wie viele rituelle Handlungen er auch verrichten und wie aufrichtig er gegenüber seinem Herrn dem Majestätischen und Erhabenen sein mag – gegenüber seinem Schöpfer dem Erhabenen nachlässig erscheint. Deshalb ist man dazu aufgefordert, selbst nach der Verrichtung von rituellen Handlungen und Pflichthandlungen Allâh um Vergebung zu bitten. Hierzu zählt das Bitten um Vergebung nach dem Gebet sowie nach dem Haddsch. Allâh der Hocherhabene sagt: „Hierauf strömt weiter, woher die (anderen) Menschen weiterströmen, und bittet Allâh um Vergebung. Allâh ist Allvergebend und Barmherzig.“ (Sûra 2:199).

Die Gelehrten unterteilen die Sünden in große und kleine Sünden und erwähnen, dass man für die kleinen Sünden sühnt, indem man die großen meidet. Allâh der Erhabene sagt: „Wenn ihr die schwerwiegenden (Dinge) meidet, die euch verboten sind, tilgen Wir euch eure bösen Taten…“ (Sûra 4:31).

Da der Mensch häufig Sünden begeht, sei er dabei wissend oder unwissend, muss er sich Allâh dem Hocherhabenen für sie alle reuevoll zuwenden und Ihn um Vergebung bitten! Abû Mûsâ Al-Asch'ârî  möge Allah mit ihm zufrieden sein berichtete, dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) Bittgebete zu verrichten und dabei zu sagen pflegte: „O Allâh, vergib mir meine Fehler, mein Unwissen und die Maßlosigkeit in meiner Angelegenheit und das, was Du besser kennst als ich! O Allâh, vergib mir meine Scherzhaftigkeit, meine Ernsthaftigkeit, mein Versehen und meine Vorsätzlichkeit! All dies habe ich.“ (Al-Buchârî). Wenn der anbetend Dienende sich Allâh dem Hocherhabenen in aufrichtiger Reue zuwendet, werden ihm seine Sünden zweifellos vergeben, ganz gleich wie groß sie sind. Dies gilt gemäß verschiedener Textbelege aus dem Offenbarungsbuch Allâhs des Hocherhabenen und der Sunna Seines Gesandten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken).

Allâh der Hocherhabene sagt: „Sag: O Meine Diener, die ihr gegen euch selbst maßlos gewesen seid, verliert nicht die Hoffnung auf Allâhs Barmherzigkeit. Gewiss, Allâh vergibt die Sünden alle. Er ist ja der Allvergebende und Barmherzige.“ (Sûra 39:53).

Anas ibn Mâlik  möge Allah mit ihm zufrieden sein überlieferte, dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) berichtete, dass sein Herr der Majestätische und Erhabene sagte: „O Nachkomme Adams! Wenn du von Mir erbittest und ersuchst, vergebe Ich dir das, was du begingst, und beachte es nicht. O Nachkomme Adams! Wenn deine Sünden bis zu den Wolken im Himmel reichen würden und du Mich hierauf um Vergebung bitten würdest, würde Ich dir vergeben. O Nachkomme Adams! Wenn du mit Sünden im Ausmaß der Erde zu Mir kommen würdest, ohne mir etwas beizugesellen, würde ich dir in gleichem Maße Vergebung entgegenbringen!“ (At-Tirmidhî und andere). Al-Albânî stufte diesen Hadîth als authentisch ein.

Abû Huraira  möge Allah mit ihm zufrieden sein berichtete: „Der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: »Bei Dem, in Dessen Hand meine Seele ist! Würdet ihr nicht sündigen, würde Allâh euch vernichten und andere Leute erschaffen, die sündigen und hierauf Allâh um Vergebung bitten, woraufhin Er ihnen vergibt.“ (Muslim).

Dies ist eine großartige Botschaft von Allâh dem Hocherhabenen über die Annahme der Reue Seiner sündigen anbetend Dienenden. Über einen Monotheisten, der stirbt, ohne bereut zu haben, ist jedoch zu sagen, dass die Sunniten die Meinung vertreten, dass seine Angelegenheit von Allâh dem Hocherhabenen entschieden wird. Wenn Er will, vergibt Er ihm und lässt ihn umgehend das Paradies betreten. Und wenn Er will, bestraft Er ihn eine Zeitlang im (Höllen-)Feuer und lässt ihn hierauf das Paradies betreten.

Und Allâh weiß es am besten!

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