Über Sünden zu sprechen und dabei sein Wohlgefallen daran auszudrücken, ist nicht erlaubt
Fatwâ-Nummer: 44676

  • Fatwâ-Datum:14-2-2019
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Frage

Ich möchte gerne wissen, wie es miteinander vereinbar ist, dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) einerseits diejenigen, die ihre Sünden offenlegten, tadelte und dass andererseits die Prophetengefährten über die in der vorislâmischen Zeit der Ignoranz und Unwissenheit begangenen Taten sprachen und lachten, wobei der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) dies belächelte?

Antwort

Der Lobpreis gebührt Allâh und möge Allâh Seinen Gesandten sowie dessen Familie und Gefährten in Ehren halten und ihnen Wohlergehen schenken!

Es besteht kein Zweifel daran, dass es harâm ist, Sünden offenzulegen und davon zu erzählen. Denn Al-Buchârî überlieferte von Abû Huraira den folgenden Hadîth:

„Ich hörte den Gesandten Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagen: »Meiner ganzen Umma wird verziehen außer den Bekanntmachenden. Und zum Bekanntmachen gehört wahrhaftig, dass ein Mann in der Nacht eine Tat begeht, sodann den Morgen begrüßt, nachdem Allâh über ihn den Deckmantel ausgebreitet hat, und daraufhin sagt: »O Soundso, ich habe gestern dieses und jenes getan!«…“

Es besteht wahrhaftig kein Widerspruch zu dem, was in der Sammlung authentischer Hadîthe von Muslim nach einer Aussage von Dschâbir ibn Samura überliefert wurde und in der es heißt:

„Und sie [die Prophetengefährten] pflegten zu erzählen und anzufangen, über die Umstände der vorislâmischen Zeit der Ignoranz und Unwissenheit zu sprechen. Dabei lachten sie und er (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) lächelte.“

Darunter ist zu verstehen, dass diejenigen aus den Reihen anderer als denen der Prophetengefährten, die ihre Sünden offen legen, dies tun, um ihr Wohlgefallen an der Sünde und ihren Hang dazu zum Ausdruck zu bringen. Manche Sünder gehen sogar so weit, dass sie solch eine Tat als eine ehrenvolle Sache ansehen, die es erfordert, dass man sie offenlegt, damit der Zuhörer sehe, dass er etwas getan hat, was niemand anders vollbracht hat.

Wer so etwas tut, an den ist die in dem Hadîth von Abû Huraira  möge Allah mit ihm zufrieden sein erwähnte Androhung gerichtet.

Was jedoch die Tatsache betrifft, dass die Prophetengefährten von den Zuständen der vorislâmischen Zeit der Ignoranz und Unwissenheit sprachen, – wobei dies auch für andere Menschen gilt, die den Islâm angenommen haben und Entsprechendes tun –, so gilt dies als Erwähnung der Gnade, die sie durch den Islâm erfahren haben, indem Allâh sie durch ihn aus der Irre zum richtigen Weg führte und sie von den Taten wegführte, die dem Verstand und der Veranlagung widersprechen, wie zum Beispiel die Niederwerfung vor Götzen, die weder einen Nutzen bringen noch schaden. Dies geht klar aus ihren Worten hervor.

Der Autor von Tuhfat Al-Ahwadhî schrieb:

„Und zu den Dingen, über die sie sprachen, gehörte, dass einer von ihnen sagte: »Niemandem hat sein Götze so viel genützt, wie er mir Nutzen brachte.« Daraufhin fragte man: »Wie das?« Er sagte: »Ich habe sie aus Hais (einer Mischung aus Datteln, Fett und Käse oder Quark) angefertigt. Sodann kam die Hungersnot, woraufhin ich sie Tag für Tag zu essen pflegte.« Und ein anderer erzählte: »Ich sah zwei Füchse, die herbei kamen und auf den Kopf einen meiner Götzen stiegen und auf ihn urinierten. Da fragte ich mich: »Ein Herr, auf dessen Kopf ein Fuchs uriniert?« Sodann kam ich zu dir, o Gesandter Allâhs, und nahm den Islâm an.“

Somit wird klar, dass zwischen beiden Dingen kein Widerspruch besteht. Und aller Lobpreis gebührt Allâh!

Und Allâh weiß es am besten!

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