Islam Web

  1. Haddsch & Umra
  2. Artikel
  3. Erkenntnisse

Ein Aufsatz über Haddsch-Erfahrung

Ein Aufsatz über Haddsch-Erfahrung
Dies ist ein Aufsatz über meine Haddsch-Erfahrung aus dem Jahre 2006. Ich versuche nicht darüber zu schreiben, wie man den Haddsch verrichtet, und ich werde dies erklären, während ich schreibe.
 
Zuerst möchte ich gerne mein persönliches und aufrichtiges Dankeschön den Leuten gegenüber ausdrücken, die meinen Haddsch möglich und erfolgreich machten.
 
Ich danke Folgenden:
 
Meiner Frau, die bei jeder Entscheidung, die ich fällte, mir zur Seite stand, seit dem Jahre 2002, als ich mich Allâh gegenüber verpflichtete unseren Haddsch im Jahre 2006 durchzuführen. Ich stehe ihr gegenüber in einer Schuld, die ich ihr niemals zurückzahlen könnte, außer dadurch, dass wir beide unseren Haddsch vollziehen.
 
Der saudischen Regierung und den Tausenden von Regierungsbeamten und Arbeitern, die man nie sieht, bis hin zu den Straßenfegern, die zusammen alles organisierten, damit wir unseren Haddsch verrichten. Wenn man über drei Millionen Menschen zu beliebiger Zeit bewegen muss, dann sind Verspätungen unausweichlich und wir hatten unseren Anteil. Dies ist eine Zeit für Geduld, und man sollte niemals das endgültige Ziel aus den Augen verlieren, und das ist der Haddsch. Ich werde diesen aufwendigen logistischen Albtraum noch mehrmals erwähnen, während ich schreibe, aber an dieser Stelle reicht es zu sagen, dass der Haddsch ohne die Arbeit dieser Leute nicht möglich wäre, außer vielleicht für einige wenige.
 
Meine erste Erfahrung mit der Wirklichkeit des Haddsch
 
Es ist vier Uhr morgens. Wir kamen in Madîna um zwei Uhr morgens an, nach gut dreißig Stunden, seitdem wir Brisbane verlassen hatten. Es war ein guter Flug mit einigen langen Transit-Aufenthalten. Ich hatte eine Dusche genommen, und nun war es Zeit zur Prophetenmoschee zu gehen um das Morgengebet zu verrichten. Es war etwas früh, aber wenn ich zu diesem Zeitpunkt schliefe, wäre es schwierig für mich vor dem Mittagsgebet aufzuwachen. Ein Fünf-Minuten-Gang von unserem Hotel, und dort, vor mir, lag die Pracht dieses großartigen Gebäudes. Wir haben alle die Fotos und Wandbehänge, aber nichts bereitete mich auf die wahre Größe dieser Moschee vor. Die Fotos lassen diesen Ort in der Tat kleiner aussehen.
 
Noch ein bisschen und wir durchschritten die Tore und kamen in den Hof der Moschee. Es ist zu diesem Zeitpunkt, dass ich realisiere, dass das Gebäude nur eine Ansammlung von Steinen ist, und so schön es auch ist, wird es eines Tages zerfallen. Ich hatte plötzlich das Gefühl, dass ich in eine Präsenz eintrete. Als würde ich in eine Seele laufen. Ich fühlte eine Gänsehaut auf meiner Haut und Tränen traten in meinen Augen, als ein überwältigendes Gefühl von Frieden über mich kam. Das Gefühl, in der Anwesenheit einer lebenden Person zu sein, ist etwas, was kein Foto jemals darstellen kann, und der einzige Weg, wie du erleben oder auch nur verstehen kannst, was ich fühlte, ist zum ersten Mal vor dieser Moschee zu stehen.
 
Am nächsten Abend, nach dem Abendgebet, entschieden wir uns das Grab des Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken zu besuchen. Zu den besten Zeiten des Haddsch ist dies kein einfaches Unterfangen, weil es Millionen von Menschen gibt, die die gleiche Idee haben. Ich glaube wirklich, dass es der Wille Allâhs ist, wenn du einer der Erwählten bist, die gehen. Nach einer sehr schwierigen Zeit meinen Weg durch die große Menge zu bahnen, fand ich mich plötzlich direkt vor dem Grab, und nur die Trennwand trennte mich vom Grab. Das Gefühl, das ich bekam, als ich vor dem Grab des Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken stand, ist etwas, das ich niemals in Worten ausdrücken könnte. Ich wurde in einer christlichen Gesellschaft erzogen (und einer ziemlich strengen noch dazu), in der erwachsene Männer nicht weinen. Es war das erste Mal, seitdem ich ein Kind war, dass diese Tränen der Emotionen mein Gesicht hinunterliefen. Meine Erwartungen hinsichtlich des Haddsch hatte ich erst seit meiner Konversion zum Islâm im Jahre 2000 und ich kenne die Tiefe meiner Gefühle. Diese Gefühle berührten genau meine Seele zu diesen Zeiten und für den Rest des Haddsch. Ich kann mir nur vorstellen, wie es noch intensiver sein muss für jemanden, der sein ganzes Leben darauf gewartet hat. Ich konnte sicherlich einiges von diesem Gefühl in meiner Frau und den Anderen um mich herum beobachten.
 
Wenn du zum Haddsch aufbrichst, dann fühlst und verstehst du, was ich meine. Wenn du niemals gehen solltest, dann tut es mir leid dir zu sagen, dass du die schönste aller Erfahrungen verpassen wirst, die du jemals auf dieser Erde haben kannst.
 
Seitdem ich vom Haddsch zurück bin, wurde ich über ihn befragt, über die physikalischen Bedingungen; ist es schön, ist es schwer, ist es gut, wie ist es? Alles, was ich sagen kann, besteht darin, dass es nichts von dem ist, weil all dies Erfahrungen unserer körperlichen Sinne sind. Unser Tast-, Seh- und Gefühlssinn. Der Haddsch hat nichts mit diesen Gefühlen zu tun, da es etwas spirituelles ist. Es ist ein Gefühl der Seele.
 
Während ich unterwegs war, nahm ich mit meiner Videokamera viel auf und machte zahlreiche Fotos. Während ich mich weiter durch meinen Haddsch bewegte, realisierte ich, dass all dieses Material wirklich nichts für jemand Anderen bedeuten würde außer der Blick auf das Äußere einiger Gebäude, etwas Landschaft und ein paar Berge. Die einzige Person, die das wahre Gefühl hinsichtlich dessen bekommen könnte, was der Film bedeutet, war ich.
 
Wenn ich nicht gesegnet bin nochmals reisen zu können, werde ich die Möglichkeit haben, in späteren Jahren diesen Film anzuschauen und hoffentlich einige der Gefühle, die ich beim Haddsch fühlte, wiederzuerwecken. Für jeden Anderen wäre dies bedeutungslos. Aus diesem Grund (ob richtig oder falsch) werden der Film, den ich aufnahm, und die Fotos zum Ansehen in meinem Besitz bleiben, für meine Frau und mich.
 
Durch den Haddsch hindurch und durch einige zusätzliche Touren, die wir unternahmen, flossen die Gefühle und Emotionen einen Tag nach dem anderen. Gerade, wenn du denkst, es könnte nicht besser werden, wird es das. Den Berg von Uhud zu besteigen; die Grabesstätte der gefallenen Gefährten (die als Märtyrer starben) zu besuchen; zu sehen, wo sich der Prophet  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken vor seinen Verfolgern versteckte; am Fuße des Berges Hirâ zu stehen und zu wissen, dass es in der Höhle am Gipfel dieses Berges ist, wo die erste Offenbarung des Qurân begann; den Berg von Arafât zu besteigen und an dem Ort zu stehen, wo Adam und Eva vereinigt wurden; die Zeltstadt von Minâ und das Bewerfen der Dschamarât mit Steinchen. Es ist eine nie endene Reise durch die größten Momente des Islâm.
 
Natürlich ist kein Haddsch vollständig ohne Umra bei der Harâm-Moschee und der Ka'ba. Als wir die Moschee zum ersten Mal betraten, brachte uns unser Führer, Barakat Ali, durch die Tür, die den Eingang bildet, den der Prophet Möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken benutzt hatte. Von diesem Eingang war das Haus, in dem er geboren wurde und sein frühes Leben verbrachte, sichtbar. Von diesem Punkt bat uns Bruder Barakat auf den Boden zu schauen, und nicht hoch zu schauen, bis er uns rief. Zu diesem Zeitpunkt schaute ich hoch und dort vor mir war die Ka'ba. Ich werde nicht erneut versuchen, die Gefühle zu erklären, die ich hatte, außer, dass ich sage, dass es ein absolut überwältigendes Erlebnis war. Auf deinem ersten Besuch zur Ka'ba wirst du es kennen lernen, falls du das Gleiche machst.
Eine weitere Aussage, die ich höre, lautet, wie glücklich ich sei, dass ich ging. Und ich werde auch gefragt, was jemand machen sollte um zum Haddsch zu reisen, oder dass sie für die Zukunft planen zu reisen.
 
Es gibt kein Glück im Reisen zum Haddsch. Es ist kein Lotto. Das Planen, in Zukunft zu reisen, wird dich nicht dorthin bringen. Der einzige Weg zum Haddsch besteht darin, sich gegenüber Allâh zu verpflichten, dass man für Ihn zum Haddsch reist. Verpflichte dich und setze ein Datum, und wenn Allâh dich für den Haddsch akzeptiert, dann wirst du reisen! Nichts und niemand auf dieser Erde wird dir von diesem Punkt an im Weg stehen.
 
Ein paar der wichtigsten Dinge, die man zum Haddsch mitnimmt, sind Glauben und Geduld. Von dem Zeitpunkt an, zu dem du dich zum Haddsch verpflichtest, arbeite hart an deinem Glauben! Wenn du anfällig dafür bist, dich schnell zu ärgern oder schnell die Fassung zu verlieren, dann ist es Zeit, auch diese Mängel zu beseitigen. Du wirst Geduld brauchen, Geduld und nochmals Geduld. Verliere nie aus den Augen, warum du dort bist! Du bist dort, um den Haddsch für Allâh durchzuführen. Nichts Anderes hat Bedeutung außer die erfolgreiche Vollendung deines Haddsch. Wo immer du hingehst, denke daran, dass du in den Fußstapfen des Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken läufst! Wut, Schreien, Streiten und Ähnliches werden dich deinen Haddsch nicht erfolgreich beenden lassen.
 
Ich habe nicht mehr zu sagen. Wenn durch das, was ich geschrieben habe, auch nur eine Person sich verpflichten lässt, den Haddsch durchzuführen, dann wäre ich ein sehr glücklicher Mensch.

Verwandte Artikel

Vorzüge des Haddsch und der Umra

  • Unser Weg zu einem vollkommenen Haddsch

    Allâh, der über alles Erhabene, wird denjenigen großzügig belohnen, der den Haddsch in vollkommener Form verrichtet. Hierzu sagte der Prophet Möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken: „…und der fromm verrichtete Haddsch wird ausschließlich mit dem...

  • Die gottesdienstlichen Handlungen des Propheten während der Haddsch: Teil 1

    Der Haddsch ist eine der wichtigsten Ibâdât (gottesdienstl. Handlungen) im Islâm. Sie zu verrichtet heißt, dem Beispiel des Propheten (Möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) wahrhaft zu folgen. Bedauerlicherweise wurden in letzter Zeit Fatwas über häufig...

  • Die Pilgerfahrt (der Haddsch) - Teil 2

    Da die Stammesführer den Streit untereinander nicht beilegen konnten, einigten sie sich darauf, den ersten...