Vater behauptet, dass das Evangelium von Jesus geschrieben und die Offenbarung noch nicht abgeschlossen sei
Fatwâ-Nummer: 122708

  • Fatwâ-Datum:25-5-2009
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Frage

Ich lebe mit meinen Geschwistern in den Niederlanden. Mein Vater war ein rechtschaffener Mensch dieser islamischen Gemeinschaft. Er hat eine Moschee gebaut und viele gute Taten vollbracht. Ab 2001 betete er nicht mehr in der Moschee und schlachtete nicht mehr am Opferfest, aber er unterließ nie das Gebet zu Hause. Er empfiehlt uns immer, das Gebet zu verrichten und Gutes zu tun. Aber ab jenem Datum hören wir von ihm sonderbare Dinge: Er behauptet, das Evangelium sei nicht Allâhs Wort, wie auch die Psalmen, sondern es seien die Worte Jesu. Außerdem sei die Offenbarung (nach dem Tode des Propheten Muhammad (Möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlgefallen schenken) nicht abgeschlossen. Wie sollen wir mit dieser Situation umgehen?

Antwort

Alles Lob gebührt Allâh und möge Er den Gesandten Allâhs in Ehren halten und bewahren, sowie seine Familie und seine Gefährten.

 

Der Lobpreis ist Allâhs! Möge Allah den Gesandten Allâhs in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken.

 

Und nun zur Frage:

 

Es gehört zur größten Güte der Kinder gegenüber ihren Eltern, dass sie diese zum Guten leiten und ihnen das Richtige erklären, wenn sie Fehler begehen. Das beste Vorbild für uns ist der Umgang Abrahams mit dessen Vater Âzar. Er rief ihn auf die beste Weise zum Guten auf, wie es in seiner Geschichte in Sûra Maryam zu lesen ist. Wenn es stimmt, was du von deinem Vater erzählst, dass er behauptet, das Evangelium sei nicht das Wort Allâhs, gibt es hierfür zwei mögliche Erklärungen: Entweder meint er, dass das heutige Evangelium entstellt wurde und man nicht sagen darf, dass es Allâhs Wort ist. In diesem Fall hat er Recht. Oder er meint, dass das ursprüngliche Evangelium, das Allâh an Jesus  Frieden sei auf ihm herab gesandt hat, nicht Allâhs Wort ist, dann gilt das als Leugnen des Islam. Seine Behauptung, dass die Offenbarung nach dem Tode des Propheten Muhammad  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken nicht aufgehört hat, lässt zwei Möglichkeiten offen:

 

Einige Arten der Offenbarung wie Eingebung und wahre Träume. Sollte er dies gemeint haben, hätte er Recht, denn diese gibt es noch. Wenn er aber damit die Offenbarung meint, die vom Himmel hinab gesandt wird und die mit dem Tode des Propheten Muhammad  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken beendet wurde, so gilt diese zweite Aussage auch als Leugnen des Islam, denn Allâh hat das Prophetentum mit Muhammad  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken abgeschlossen.

Hinsichtlich des Gemeinschaftsgebets sind die Gelehrten unterschiedlicher Meinung. Die wahrscheinlichste Meinung ist, dass es Pflicht ist. Auch über das Schlachten von Opfertieren am Opferfest gibt es verschiedene Meinungen unter den Gelehrten. Die wahrscheinlichste Meinung ist, dass es eine oft praktizierte Sunna ist. Das ist die Meinung der meisten Gelehrten. Einige meinten, dass dessen Unterlassen unerwünscht sei, wenn man dazu in der Lage wäre, ein Opfertier zu schächten.

Am empfehlenswertesten ist, dass ihr Geduld mit eurem Vater habt und ihn auf die beste Art behandelt, um ihn so leichter umzustimmen. Ihr sollt auch einige Gelehrte darum bitten, ihm seine Fehler zu erklären. Bittet außerdem Allâh darum, ihm Reue und Rechtleitung zu gewähren! Wir bitten Allâh für ihn darum. Auf jeden Fall ist es eure Pflicht, gut und nachsichtig mit ihm umzugehen. Diese Pflicht kann nie entfallen, auch wenn er Fehler begeht, oder gar vom Islâm abfällt.

 

Und Allâh weiß es am besten.

 

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