Tritt eine Scheidung bereits in Kraft, wenn man andere Leute deswegen zu Rate zieht?
Fatwâ-Nummer: 136003

  • Fatwâ-Datum:25-5-2010
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Frage

Ich habe einen Freund, der ein Mädchen kennen gelernt und sich dann auch mit ihr verlobt hat. Da dieser Bruder seine Keuschheit mit islâmischen Mitteln bewahren will, möchte er den Heiratsvertrag mit dem Mädchen schließen, jedoch ohne staatliche Papiere (Die beiden sind also wie verheiratet, dürfen aber noch nicht miteinander schlafen)
Folgendes hat sich also ereignet:
- Die Brautgabe.
- Der Vormund der Frau war beim Vertragsabschluss zugegen.
- Die Bekanntgabe der Heirat in einem kleinen Kreis.
- Gegenseitiges Einverständnis.
- Hochzeitsfeier.
Sie haben sich darauf geeinigt, dass die Heirat auch vom Staat anerkannt wird und sich die Frau mit einem niedrigen Einkommen des Mannes begnügt. In dieser Zeit (also noch vor der eigentlichen Hochzeit) bemerkte die Frau aus nächster Nähe das Verhalten und Benehmen dieses Mannes, worauf es viele Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen gab.
Der Grund dafür war, dass der Mann sich nicht um die Frau kümmerte und auch nicht mit ihr scherzte bzw. spielte und er seine Probleme und Sorgen nicht mit ihr teilte. Sie macht ihn immer auf seine Fehler aufmerksam, worauf er ihr verspicht, dass es nicht wieder vorkommen werde.
Doch kaum vergehen ein oder zwei Tage, macht er den gleichen Fehler erneut. Wenn sie das Haus verlassen will, sagt er nur: „Mein Herr ist mit dir“ und fragt sie nicht einmal, wohin sie geht oder mit wem!
Auf Grund ihrer Lage und des Nichtkümmerns ihr Mannes um sie ist sie nun verstimmt. Sie sagt immer: „Ich habe ihn auf Grund des Glaubens als Ehemann ausgesucht, ich habe weder Brautgabe, Geld, eine hohe Stellung oder eine Arbeit von ihm gefordert. Trotz alledem kümmert er sich sehr wenig um mich. Die Lage mit ihm ist jetzt vor der Heirat schlimm, wie soll es erst dann sein, wenn wir wirklich verheiratet sind?“
Man muss noch erwähnen, dass der Bruder von Natur aus so ist und nichts mit Schüchternheit zu tun hat.
Als die Lage sich zuspitzte, forderte sie die Scheidung und er versuchte sie davon abzubringen. Doch dieses Mal war die Lage heftiger als zuvor, und er sagte zu ihr, dass sie keine geduldige Frau sei und dass sie ihn nicht liebe. Er meinte, dass durch die Scheidung der Thron des Allerbarmers wackeln würde, und er werde einige Gelehrte wegen der Scheidung zu Rate ziehen. Darauf sagte er ihrem Vater, dass er auf Grund der Scheidung nicht das Haus betreten werde.
Ist diese Absicht also ausreichend, dass die Scheidung gültig wird? Ist es islamisch richtig, dass die Frau die Scheidung gefordert hat? Man muss noch erwähnen, dass die Frau offen gesagt hat, dass sie nicht mit einem Mann zusammenleben kann, der sich nicht um sie kümmert, selbst wenn sie dadurch ihr ganzes Leben unverheiratet bliebe. Die Eltern der Frau halten zu ihrer Tochter, da der Prophet Möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken uns auftrug, mit den Frauen auf gute Weise umzugehen.
Möge Allâh es euch mit dem Besten vergelten!

Antwort

Der Lobpreis ist Allâhs! Möge Allâh Seinen Gesandten in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken!

 

Was der Ehemann von sich gab, gilt nicht als Scheidung, so lange nur die Absicht von ihm vorhanden ist, andere Leute deswegen zu Rate zu ziehen. So ist die Scheidung noch nicht in Kraft getreten. Auch was der Mann dem Vater mitgeteilt hat, gilt nicht als Scheidung.

 

Es ist das Recht der Frau die Scheidung zu fordern, wenn Gründe vorhanden sind, die dies rechtfertigen wie zum Beispiel. wenn sie nicht mit ihm zusammen leben kann oder auf Grund seines schwachen Glaubens oder schlechten Benehmens.

Der Gelehrte Ibn Qudâma sagte im Werk „Al-Mughnî“:

"Wenn die Frau gegenüber dem Mann auf Grund dessen Benehmens, Aussehens, schwachen Glaubens, hohen Alters oder Unbeholfenheit usw. Abneigung empfindet und sie fürchtet, dass sie nicht Allâhs Recht, hinsichtlich des Gehorsams ihrem Mann gegenüber nachkommen kann, so darf sie die Scheidung fordern, indem sie sich von ihm loskauft." 51/7.

 

Trotz alledem raten wir der Frau, nochmals darüber nachzudenken und zu versuchen, den Ehemann auf die rechte Bahn zu bringen, weil seine erwähnten Schwächen leicht zu verbessern sind.

 

Und Allâh weiß es am besten.

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